Pharao Serastes im Korbsessel


Glückliche Herrscher tauchen gerne ein in die grossen Schattenwürfe von kommenden mächtigen Ereignissen.

Story from Joe Cosma

Pharao Serastes sass zufrieden im Korbsessel, den ihm ein assyrischer Verehrer zum Feste des Mondgottes Nitschint geschenkt hatte. Anfänglich hatte er Bedenken, mit seinem geplagten Rücken in einem Korbsessel, aber erstaunlicherweise war es überhaupt nicht schlimm, im Gegenteil, er fühlte sich wohl darin..

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Er ertappte sich immer öfters in einem Dämmerzustand, einem Zustand, in dem er all die lästigen Geschäfte, seine Kriegsplanung, die heimlichen Widersacher vor dem Angesicht der Sonnengöttin Reh, das Gekeife all seiner Haremsdamen, alle diese Trivialitäten des alltäglichen Lebens vollkommen vergass. Aus seinem Korbsessel heraus entschwebte er immer öfters in das unendliche Universum und in diesem Zustand erahnte er die wahre Natur dieses Universums, obwohl er natürlich nicht in der Lage war, dies zu beschreiben. Es war ja auch nur eine Ahnung. Und dieser Zustand machte ihn glücklich.

Und genau hierin lag die grosse Gefahr. Glückliche Herrscher tauchen gerne ein in die grossen Schattenwürfe von kommenden mächtigen Ereignissen. Gefährliche Schatten, Schatten, die Angst verbreiten sollten. Sie kommen daher wie Wölfe im Schafspelz. Dies ein Sprichwort, dass man im alten Ägypten allerdings nicht kannte. Ein Grund vielleicht, dass man die langsam daher schleichende Gefahr nicht wahrnahm. Tausende Jahre später sollten freilich Historiker das Spektakel dieser Zeiten in einzelne Perioden unterteilen und akribisch aufzeigen, in welchen somnambulen Zuständen sich die Ägypter und ihr Herrscher während der ganzen Phase des Untergangs befanden. Und dann das Sprichwort in die Welt setzen: Müssiggang ist aller Laster Anfang.

Und ein paar Generationen später werden die Leute über dieses Sprichwort wiederum lachen, denn wo der Laster Anfang ist, kommt bald der Untergang, und wo ein Untergang ist, entsteht Platz für Neues, und dieses Neue wird wie Phönix aus der Asche auferstehen. Ein trostreicher, wenn auch monotoner Vorgang. Ein Vorgang der dem Verlierer Trost bringt und dem Gewinner Genugtuung, eigentlich eine echte Win-Win Situation. Ja und wie gesagt, ohne das assyrische Geschenk an den Pharao Serastes, hätten die heutigen Welterklärer kein Vorzeige-Beispiel, kein Paradigma von Werden und Vergehen. Es ist damit zu rechnen, dass die in späteren Zeiten lebenden Historiker auch hier die Spur aufnehmen und mit akribischem Eifer ans Werk gehen werden. Sie werden die Geschichte, die Herkunft, die Bildung, den gesellschaftlicher Status usw., dieses bis dato noch unbekannten Assyrers genau erforschen und rekonstruieren.

Schliesslich hat dieser unbekannte Korbmacher den Untergang eines Weltreiches zu verantworten. Wir warten mit einer gewissen Spannung.